Viele Handwerker legen ihren Stundensatz fest, indem sie schauen, was andere verlangen. Das Problem: Kosten, Auslastung und Ziele der Konkurrenz sind nicht Ihre. Ist der Satz zu niedrig, arbeiten Sie volle Wochen und haben am Monatsende trotzdem nichts übrig. So berechnen Sie einen Stundensatz, der Ihren Betrieb wirklich trägt.
Das Wichtigste in Kürze
- Addieren Sie alle monatlichen Betriebskosten und das Gehalt, das Sie sich selbst zahlen wollen.
- Zählen Sie nur verrechenbare Stunden - meist 60-70 % der Arbeitszeit.
- Teilen Sie die Kosten durch die verrechenbaren Stunden und schlagen Sie 10-20 % Gewinn auf.
- Prüfen Sie das Ergebnis alle paar Monate mit Ihren echten Zahlen.
Schritt 1: Monatliche Kosten addieren
Schreiben Sie alles auf, was der Betrieb in einem durchschnittlichen Monat zahlt, auch wenn manche Kosten jährlich anfallen (durch 12 teilen):
- Transporter oder Auto: Leasing, Kraftstoff, Versicherung, Wartung
- Werkzeug und Maschinen, inklusive Ersatz und Reparaturen
- Betriebs- und Haftpflichtversicherung
- Miete für Werkstatt oder Lager
- Telefon, Internet, Software, Steuerberater
- Werbung, Website, Arbeitskleidung
- Sozialabgaben und Steuern, die Sie als Inhaber zahlen
Beispiel: Ein Ein-Personen-Betrieb hat 2.500 € monatliche Kosten.
Schritt 2: Festlegen, was Sie verdienen wollen
Ihr Gehalt ist ein Kostenpunkt des Betriebs, nicht das, was "übrig bleibt". Legen Sie fest, welchen Bruttobetrag Sie sich jeden Monat zahlen wollen - inklusive Urlaub und Krankheitstagen. Beispiel: 3.000 € im Monat.
Zusammen mit den Kosten muss der Betrieb 5.500 € im Monat erwirtschaften.
Schritt 3: Echte verrechenbare Stunden zählen
Hier liegen die meisten falsch. Ein Monat hat etwa 21 Arbeitstage mit 8 Stunden, also 168 Stunden. Aber nicht alles lässt sich abrechnen. Sie verbringen auch Zeit mit:
- Fahrten zwischen Baustellen und zum Großhandel
- Angeboten und Rechnungen, Telefonaten mit Kunden
- Aufmaß, Planung und Materialeinkauf
- Warten, Aufräumen, Reklamationen
Bei den meisten Handwerkern sind nur 60-70 % der Zeit verrechenbar. Mit 65 % sind das etwa 110 verrechenbare Stunden im Monat.
Schritt 4: Den Satz berechnen
Teilen Sie den nötigen Monatsbetrag durch die verrechenbaren Stunden:
5.500 € / 110 Std. = 50 € pro Stunde
Das ist Ihr kostendeckender Satz: Kosten und Gehalt sind gedeckt, aber es bleibt nichts für Wachstum, neue Werkzeuge oder einen schwachen Monat.
Schritt 5: Gewinnzuschlag einrechnen
Schlagen Sie 10-20 % auf, damit der Betrieb wachsen und ruhige Monate überstehen kann. Mit 12 %: 50 € x 1,12 = 56 € pro Stunde. Das ist Ihr Mindeststundensatz. Lässt der Markt mehr zu - für Eilaufträge, Spezialarbeiten oder hervorragende Bewertungen - verlangen Sie mehr.
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Stundensatz oder Pauschalpreis?
Auch wenn Sie einen Auftrag pauschal anbieten, ist der Stundensatz Ihre Grundlage. Schätzen Sie die Stunden, multiplizieren Sie sie mit Ihrem Satz, rechnen Sie Material mit Zuschlag dazu - und Sie wissen, ob sich die Pauschale lohnt. Vergleichen Sie nach dem Auftrag die Schätzung mit den echten Stunden. In AdBooks werden Arbeitsstunden, Ausgaben und Einnahmen pro Projekt erfasst, so sehen Sie die echte Marge jedes Auftrags.
Preise erhöhen, ohne Kunden zu verlieren
- Erhöhen Sie zuerst für Neukunden, für Bestandskunden später.
- Kündigen Sie die Änderung rechtzeitig an und begründen Sie sie kurz (Material, Kraftstoff, Löhne).
- Zeigen Sie Ihren Wert: schnelle Angebote, saubere Arbeit, verlässliche Termine.
- Erhöhen Sie lieber jedes Jahr ein wenig als alle fünf Jahre auf einmal.
Häufige Fragen
Was, wenn mein berechneter Satz höher ist als bei der Konkurrenz?
Prüfen Sie zuerst Ihre verrechenbaren Stunden - dort steckt oft mehr Spielraum als im Preis. Ist der Satz trotzdem höher, punkten Sie mit Qualität, Tempo und Zuverlässigkeit statt nur mit dem Preis. Kunden, die nur nach Preis entscheiden, bleiben selten treu.
Sollte auch Material einen Aufschlag haben?
Ja. Bestellen, Abholen, Lagern und die Gewährleistung für Material kosten Zeit und Geld. Ein Aufschlag von 10-15 % auf Material ist in vielen Gewerken üblich.
Wie oft sollte ich den Satz neu berechnen?
Mindestens einmal im Jahr und immer dann, wenn sich ein großer Kostenblock ändert - ein neuer Transporter, ein Mitarbeiter oder eine teurere Versicherung.
Funktioniert das auch mit Mitarbeitern?
Ja, das Prinzip ist gleich: Addieren Sie alle Kosten inklusive Löhne und teilen Sie sie durch die verrechenbaren Stunden des ganzen Teams.
Fazit
Ihr Stundensatz ist kein Bauchgefühl, sondern eine Rechnung. Addieren Sie Kosten und Gehalt, zählen Sie nur verrechenbare Stunden, schlagen Sie Gewinn auf und prüfen Sie das Ergebnis regelmäßig. Mit dem richtigen Satz bringt jeder Auftrag, den Sie gewinnen, auch Geld.

